FAQ – Umgang mit vollständig Geimpften und Genesenen im Betrieb

Stand: 18. November 2021

  • Welche Impfstoffe gibt es und sind Nebenwirkungen bekannt?

    In der EU sind mittlerweile mehrere Impfstoffe zum Schutz vor COVID-19 zugelassen. Weltweit sind zahlreiche Impfstoffprojekte angelaufen, die sich in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung befinden. Einen Überblick über den Stand der Impfstoffentwicklung gibt z.B. die Internetseite "Impfstoffe zum Schutz vor COVID-19, der neuen Coronavirus-Infektion" des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA).

    Die bisher in der Europäischen Union zugelassenen Impfstoffe unterscheiden sich insofern, als dass es sich z. B. bei Comirnaty (BioNTech) und Spikevax (Moderna) um mRNA-Impfstoffe handelt, während Vaxzevria (AstraZeneca) und Janssen (Johnson & Johnson) Vektorimpfstoffe sind. Bei Letzteren wird ein sogenannter Vektor genutzt, um den Bauplan für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 in die Zellen zu übertragen. Bei der Impfung von AstraZeneca wird ein harmloses Adenovirus von Schimpansen und bei jener von Johnson & Johnson ein unschädliches menschliches Adenovirus verwendet. Proteinbasierte Impfstoffe wie z.B. Novavax befinden sich derzeit noch im Zulassungsverfahren. Eine umfassende Stellungnahme - vor allem zu den neuen mRNA-Impfstoffen von BioNTech und Moderna - hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlicht.

    Detaillierte Informationen zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe finden sich auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

    Nebenwirkungen können grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Nutzen und mögliche Risiken durch eine Impfung müssen immer, auch nach erfolgter Zulassung, gewissenhaft betrachtet werden. Eine zentrale Aufgabe des Prüf- und Zulassungsverfahrens ist es, die Nebenwirkungen vollständig und detailliert benennen zu können. Für Deutschland erfasst das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zentral alle Nebenwirkungen und Impfreaktionen – unabhängig vom Hersteller. Für die Europäische Union (EU) werden diese Informationen übergreifend von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zur Verfügung gestellt. Von beiden, der EMA und dem PEI werden Sicherheitsberichte über alle in der EU bzw. Deutschland gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegen COVID-19 im jeweiligen Zeitraum veröffentlicht.

    Nebenwirkungen, die erst Jahre nach einer Impfung auftreten, sind bei den derzeit in der EU zugelassenen Impfstoffen nicht bekannt.

    (Stand: 18.11.2021)

  • Wann gelte ich als vollständig geimpft?

    Als "vollständig geimpft" gelten nach Definition des RKI:

    • Personen, die mit einem in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoff geimpft wurden und bei denen nach Gabe der letzten Impfstoffdosis mindestens 14 Tage vergangen sind. Eine aktuelle Liste von in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoffen wie auch Informationen zur notwendigen Anzahl an Impfdosen sind auf den Internetseiten des PEI zu finden. Die Empfehlungen zu zusätzlichen Auffrischimpfungen sowie zur Optimierung der Grundimmunisierung nach vorausgegangener Impfung mit der COVID-19 Vaccine Janssen sind zu beachten.
    • Personen, die eine PCR-bestätigte* SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben und einmalig mit einem COVID-19-Impfstoff geimpft wurden.
    • Personen, die gesichert positiv auf SARS-CoV-2-Antikörper getestet* und danach einmal geimpft wurden.
    • Personen, die einmal geimpft wurden, nach der ersten Impfstoffdosis eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben und eine weitere Impfstoffdosis erhalten haben.

    * Die labordiagnostischen Befunde sollen in einem nach der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiLiBÄK) arbeitenden oder nach DIN EN ISO 15189 akkreditierten Labor erhoben worden sein.

    (Stand: 18.11.2021)

  • Warum kann für asymptomatische Geimpfte und Genesene im Betrieb das Gebot, Atemmaske zu tragen und Abstand zu halten, zurückgenommen werden? Auf welcher rechtlichen Basis kann dies geschehen?

    Nach § 2 Corona-Arbeitsschutzverordnung kann der Arbeitgeber bei der Festlegung betrieblicher Infektionsschutzmaßnahmen den Impf- oder Genesungsstatus der Beschäftigten berücksichtigen, sofern er ihm bekannt ist. Hiermit wird aktuellen Erkenntnissen Rechnung getragen, dass vollständig geimpfte oder genesene Personen ein deutlich geringeres Risiko einer COVID-19-Erkrankung aufweisen und von diesen Personen auch ein geringeres Übertragungsrisiko ausgeht als von nicht geimpften oder nicht genesenen Personen.

    Aufgrund der freiwilligen Angabe der Beschäftigten zum Impf- oder Genesungsstatus können betriebliche Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen angepasst werden. Dies gilt unter anderem, wenn vollständig geimpfte oder genesene Beschäftigte in einem Raum arbeiten und kein Kontakt mit nicht vollständig geimpften oder bisher nicht genesenen Beschäftigten besteht. Liegen dem Arbeitgeber keine Erkenntnisse über den Impf- oder Genesungsstatus der Beschäftigten vor, ist von keinem vollständig vorhandenem Impf- oder Genesungsstatus auszugehen.

    Grundsätzlich gilt die Möglichkeit der Anpassung von Schutzmaßnahmen für vollständig Geimpfte und Genesene nur, wenn bei den Beschäftigten keine Symptome vorliegen, die auf eine Corona-Infektion hinweisen.

    Die Möglichkeit, Schutzmaßnahmen anzupassen geht nicht zwangsläufig mit dem Wegfall aller Schutzmaßnahmen einher. Auf welche Schutzmaßnahmen verzichtet werden kann, muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung geklärt werden.

  • Es wird immer wieder von Impfdurchbrüchen berichtet und davon, dass auch vollständig Geimpfte und Genesene das Virus weitertragen können. Ist es vor diesem Hintergrund vertretbar, die Schutzmaßnahmen zu reduzieren?

    Der geschätzte Anteil der Impfdurchbrüche im Vergleich zur Anzahl der Geimpften ist sehr gering. Die Fallzahlen symptomatischer Infektionen bei Geimpften im Vergleich zu Ungeimpften zeigen, dass Geimpfte deutlich seltener erkranken. Darüber hinaus schützen Impfungen zuverlässig vor einer schweren Covid-19-Erkrankung und Tod.

    Zudem geht von geimpften und genesenen Personen ein geringeres Übertragungsrisiko aus.

    Basierend auf diesen Gegebenheiten ist es vertretbar, die betrieblichen Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen anzupassen.

  • Was ist zu tun, wenn asymptomatische geimpfte oder genesene Personen Kontakt zu einer infizierten Person hatten? Sie müssen dann laut mancher Länderverordnung nicht zwingend in Quarantäne. Sollten sie ohne Auflagen im Betrieb weiterarbeiten?

    Die Quarantänebestimmungen sind länderspezifisch in den Infektionsschutzverordnungen der Länder geregelt. Das Vorgehen nach Kontakten von Geimpften und Genesenen mit SARS-CoV-2-infizierten Personen wird daher unterschiedlich gehandhabt. Nach den entsprechenden derzeitigen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts ist eine Quarantäne für vollständig geimpfte oder genesene Kontaktpersonen nicht erforderlich.

    Dies gilt grundsätzlich nur, wenn bei den Beschäftigten keine Symptome vorliegen, die auf eine Corona-Infektion hinweisen.

    Nach der COVID-19 Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung besteht allerdings weiterhin die Pflicht zur Absonderung auch für geimpfte und genesene, asymptomatische Personen, wenn der Kontakt zu einer Person, die mit einer in Deutschland noch nicht verbreitet auftretenden Virusvariante des Coronavirus SARS-CoV-2 mit vom Robert Koch-Institut definierten besorgniserregenden Eigenschaften infiziert ist, oder eine Einreise aus einem Virusvarianten-Gebiet entsprechend der Coronavirus-Einreiseverordnung erfolgt. Die Absonderung kann für genesene, geimpfte oder getestete Personen beendet werden, wenn diese einen negativen Testnachweis an die zuständige Behörde übermitteln.

    Das Robert Koch-Institut empfiehlt weiterhin eine Quarantäne auch bei vollständig geimpften sowie genesenen Kontaktpersonen, wenn eine Exposition gegenüber den Virusvarianten Beta (B.1.351, "Südafrika"-Variante) oder Gamma (P.1, "Brasilien"-Variante) vorlag. Dies ist in der derzeit vorliegenden, unzureichenden Datenlage zur Wirkung der zugelassenen Impfstoffe gegenüber diesen Virusvarianten begründet.

    Nach der letzten Exposition zu einer mit SARS-CoV-2 infizierten Person sollte grundsätzlich ein Selbstmonitoring erfolgen. Beim Auftreten von Symptomen gilt dies auch für geimpften oder genesenen Personen:

    • Sofortiger Kontakt zum Gesundheitsamt und Testung mittels PCR-Test
    • Isolierung gemäß Vorgaben des Gesundheitsamts
    • Kontaktpersonen ab 2 Tage vor Symptombeginn notieren

    Bis zum Vorliegen des Ergebnisses des PCR-Test ist auch für Immunisierte eine Isolation erforderlich.

    Siehe hierzu auch die Infographik Kontaktpersonennachverfolgung bei SARS-CoV-2-Infektionendes RKI.

  • Der Arbeitgeber hat keinen Anspruch auf eine Auskunft der Beschäftigten über ihren Impf- oder Genesungsstatus. Sind Erleichterungen für Geimpfte und Genesene nur dann umsetzbar, wenn die Beschäftigten freiwillig dem Arbeitgeber ihren Impfstatus mitteilen?

    Ja. Es ist den Beschäftigten grundsätzlich freigestellt, ob sie ihren Impf- oder Genesungsstatus dem Arbeitgeber mitteilen wollen oder nicht. Ausnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz gelten für Beschäftigte in Einrichtungen mit besonders schutzbedürftigen Menschen oder für Einrichtungen im Gesundheitswesen oder für Gemeinschaftseinrichtungen (wie Schulen oder Kindertagesstätten). Die jeweiligen Infektionsschutzverordnungen der Länder sind zu berücksichtigen.

  • Wie muss die Auskunft über den Impf- und Genesungsstatus erfolgen? Muss jede/r das Zertifikat vorlegen? Reicht die mündliche Auskunft oder bedarf es einer schriftlichen Versicherung?

    Es ist nicht allgemein geregelt, in welcher Form der Arbeitgeber diese Information erhält. Die Angabe des Impf- oder Genesungsstatus beruht in den meisten Branchen auf der freiwilligen Auskunft durch den Beschäftigten (Ausnahmen siehe Frage 4). Datenschutzrechtliche Belange müssen in jedem Fall berücksichtigt werden.

  • Stehen für Geimpfte und Genesene weiterhin Tests kostenfrei zu Verfügung?

    Die Coronavirus-Testverordnung unterscheidet nicht zwischen Ungeimpften, Genesenen und Geimpften. Nach § 2 und § 3 der Coronavirus-Testverordnung sind zum Beispiel für Kontaktpersonen von nachweislich an Corona-Erkrankten oder bei Ausbrüchen in bestimmten Einrichtungen weiterhin kostenfreie Tests möglich. In den §§ 4 und 4a der Coronavirus-Testverordnung ist festgelegt, in welchen Fällen asymptomatische Personen Anspruch auf einen kostenfreien Test haben und im § 4b der Coronavirus-Testverordnung, wann ein Anspruch auf einen kostenfreien PCR-Test besteht.

    Darüber hinaus sind die landesspezifischen Teststrategien (zum Beispiel in Bayern) zu beachten, die aber ebenfalls nicht zwischen Ungeimpften, Geimpften und Genesenen unterscheiden.

  • Muss der Arbeitgeber weiterhin Corona-Tests kostenfrei zur Verfügung stellen?

    Gemäß § 4 der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung hat der Arbeitgeber zur Minderung des betrieblichen SARS-CoV-2-Infektionsrisikos den Beschäftigten, soweit diese nicht ausschließlich in ihrer Wohnung arbeiten, mindestens zweimal pro Kalenderwoche kostenfrei einen Test in Bezug auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus SARS-CoV-2 anzubieten.

    Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung ermöglicht es dem Arbeitgeber aber, vollständig geimpfte oder von einer COVID-19-Erkrankung genesene Beschäftigte von den betrieblichen Testangeboten auszunehmen, sofern er dazu über belastbare Angaben der Beschäftigten verfügt.

  • Können Genesene auch Impfzertifikate erhalten, wenn sie keinen PCR-Nachweis zur Bestätigung einer erfolgten Infektion (mehr) haben?

    Ja, die Voraussetzungen für an Covid-19 Genesene ein Impfzertifikat als "vollständig geimpft" zu erhalten, wurden geändert. Galt bislang der PCR-bestätigte Nachweis der Infektion und zusätzlich eine Impfung (mit in der EU zugelassenen Impfstoffen) als Voraussetzung für das Impfzertifikat, gilt nun auch ein Antikörpertest als Nachweis für eine durchgemachte Infektion. Der Antikörpertest muss dabei vor der Impfung durchgeführt worden sein und den Kriterien der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen entsprechen oder in einem akkreditierten Labor erhoben worden sein.

    Diese Änderung trägt der Tatsache Rechnung, das PCR-Testnachweise oftmals nicht oder nicht mehr vorhanden sind.

    (Stand: 18.11.2021)